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Warum Vorlesen Stimmtraining sein kann

Dr. phil. Lioba Faust

Warum Vorlesen Stimmtraining sein kann

Vorlesen bedeutet aktiv-bewusstes Sprechen. Es kommt an, wenn Sensorik, Motorik und Emotion miteinander in Verbindung sind. Was heißt das? Was gut vorgelesen ist, zieht die Hörenden ins Geschehen hinein – Kinder wie auch Erwachsene. 


Die Emotion

Vorlesen ohne Emotion ist kaum denkbar. Schließlich geht es darum, ein Szenario lebendig werden zu lassen, einer Figur Leben einzuhauchen und vor dem inneren Auge eine Geschichte entstehen zu lassen. Die Phantasie wird angeregt, es entsteht Sympathie mit den handelnden Personen, oder Ablehnung, weil sie sich ganz anders verhalten, als man sich dies vorstellt. 

Wer sich beim Vorlesen darüber im Klaren ist, wie eine Passage klingen kann, wird das Spektrum der eigenen Stimme ausnutzen. Wer vorliest, sollte sich bewusst sein, dass Betonung und Akzentuierung den Ausdruck steigern. Je geübter eine Stimme und je größer ihre Bandbreite, umso mehr spricht sie die Emotion der Hörenden an.


Die Sensorik 

Was man selbst laut liest, wird vor dem eigenen Auge lebendig. Was ich vorlese, muss ich mitdenken und einer Figur einen bestimmten Ausdruck verleihen. Auch scheinbar nüchterne Berichte sind nicht neutral, denn ich teile das mit, was ich verstanden habe, und gebe Worten eine Färbung. Über Melodie und Rhythmus kann ich die Hörenden abholen und mitnehmen. 


Die Motorik

Vorlesen setzt verständliches Sprechen voraus. Eine gute und gepflegte Aussprache spricht buchstäblich an. Die Worte werden griffig, das Geschehen wird nachvollziehbar. Was gut artikuliert ist, zeigt Wertschätzung – dem Inhalt und den Hörenden gegenüber. Gutes Sprechen ist immer auch ein gutes Ansprechen.

Wer sich die Wirkung auf das Publikum bewusst macht, wird mit Ausdruck sprechen. Vorlesen wirkt als Stimmtraining, weil man die Sensorik, Motorik und Emotion beim Sprechen entwickelt. 

stimme.at-Autorin: Lioba Faust

Foto: Seventyfour auf stock.adobe.com

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