Muss ich Hochdeutsch sprechen, um professionell zu wirken?
Gerade in Österreich spricht im Alltag praktisch niemand Hochdeutsch. Und ich finde, der Versuch, besonders schön oder künstlich korrekt zu sprechen, nimmt der eigenen Sprache oft genau das, was sie überzeugend macht: Natürlichkeit und Persönlichkeit. Daher ist meine Antwort auf die Frage ganz klar: Nein.
Viel wichtiger sind für mich eine klare Aussprache und ein angenehmer Stimmklang.
Eine Übung, mit der ich fast jedes meiner Trainings beginne, ist die Lautfolge:
La Na Ta Da
Sie ist einfach, braucht nur wenig Zeit und trainiert gleich mehrere Bereiche, die für einen überzeugenden sprachlichen und stimmlichen Auftritt wichtig sind.
Mehr Resonanz und Stimmvolumen
Durch die vielen A-Laute öffnet sich der Resonanzraum. Die Stimme bekommt mehr Weite und Fülle. Für viele meiner Klientinnen und Klienten ist das ein guter Einstieg, um leichter auf ihr natürliches Stimmvolumen zugreifen zu können.
Ein lockerer Kiefer
Versuche nicht, das A zu forcieren. Lass den Kiefer einfach locker nach unten fallen. Ein leichtes Gähnen ist dabei sogar ausdrücklich willkommen. Es öffnet den Resonanzraum zusätzlich und unterstützt einen freien, vollen Stimmklang.
Deutlichere Artikulation
Die Laute L, N, T und D aktivieren die Zungenspitze am harten Gaumen. Gerade am Wortende werden Silben häufig verschluckt. Mit dieser Übung wird die Zunge beweglicher und die Aussprache klarer.
Mein Tipp: Starte in einem ruhigen Tempo. Wenn sich die Übung leicht anfühlt, kannst du das Tempo nach und nach steigern, auch einmal bis an dein Maximum. Anschließend gehst du wieder bewusst ins langsamere Tempo zurück. So trainierst du Präzision und Beweglichkeit gleichzeitig.
Ich mag diese Übung besonders, weil sie so unkompliziert ist und trotzdem viel bewirkt.
Deshalb mein Impuls für dich: Du musst nicht Hochdeutsch sprechen, um professionell zu wirken. Eine klare Aussprache, eine tragfähige Stimme und authentisches Sprechen hinterlassen meist den deutlich stärkeren Eindruck.
stimme.at-Trainer: Herwig Ofner
Foto: Reinhard Thrainer auf Pixabay