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Stimme in Bewegung

Dr. phil. Lioba Faust

Wenn die Stimme erklingt, hören wir – rein physikalisch betrachtet – bewegte Luft, nämlich Schallwellen. Je gleichmäßiger die Schwingung, desto klarer der Ton, und desto mehr Resonanz. Wir können etwas dafür tun, damit die Stimme einen klaren Ton erhält: indem wir den Körper tonisieren, das heißt, ihn in gleichmäßige, rhythmisch-fließende Bewegung bringen.

Zwei Frauen waren es – Clara Schlaffhorst und Hedwig Andersen –, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts erkannten, dass ein ausgeglichener Atem- und Bewegungsrhythmus der Stimme die richtige Basis verleiht. Sie entwickelten die Methode des Schwingens. Durch diese Bewegungsform entsteht eine lebendige Dynamik, die nicht nur den Körper tonisiert und eine gleichmäßige Spannung hervorbringt, sondern die Stimme regeneriert und ihr Frische und Leichtigkeit verleiht.

Idealerweise wird das Schwingen zu zweit oder in der Gruppe ausgeführt. In einfacher Weise kann man diese Regenerationsform auch alleine ausprobieren. Man beginnt mit einer fließenden Bewegung: 

Pendeln

Im Stehen, die Füße parallel und flach auf dem Boden, pendelt man sanft vor und zurück. Die Fußgelenke sind die Achse, über der der gesamte Körper in Bewegung kommt. Dann richtet man die Wahrnehmung auf die Atmung: Fast von selbst stellt sich ein Rhythmus ein – in eine Bewegungsrichtung atmet man ein, in die andere aus. Die Bewegungsform lässt sich erweitern:

Kreisen

Aus den Fußgelenken gleitet man um die Längsachse des Körpers in eine Kreisbewegung. Es ist wichtig, dass der Radius nicht zu groß wird, um weiter fließend ein- und auszuatmen und nicht aus der Bewegung zu „fallen“. Schließlich geht man dazu über, einen Ton erklingen zu lassen:

Tönen

Man setzt einen Ton auf die Atmung, am besten ein „m“ mit locker aufeinanderliegenden Lippen. Wer möchte, kann den Ton erweitern und eine Silbe erklingen lassen: mo, mü, mi, ning, u.a.

Die Übungen sind vergleichsweise langsam, aber gerade darum besonders wirkungsvoll. Es geht darum, die Stimme mit der Bewegung in Einklang zu bringen. Es geht darum, zu spüren und wahrzunehmen: Die Atmung vertieft sich, die Ausatmung verlängert sich. Die Resonanz breitet sich aus im Kopf, im Rumpf, im ganzen Körper. 

Bauen Sie diese kurze Übung gelegentlich als Stimm-Refreshing in den Alltag ein!

stimme.at-Autorin: Lioba Faust

Foto: Ahmad Odeh auf Unsplash

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