Heiser? So hilft Lakritze deiner Stimme wirklich
Von Amsterdam bis zum Hals: Wie ich lernte, Lakritze zu lieben
Lakritze. Entweder man liebt sie – oder man verzieht das Gesicht. Auch ich zählte mich lange zu den Skeptikern. Der Geschmack war mir zu intensiv, zu eigen. Doch das sollte sich ändern – auf einem Estill Voice Seminar in Amsterdam. Zwei Tage intensives Singen, stimmliche Höchstleistungen, kaum Zeit zur Regeneration. In den Pausen zirkulierte unter den Teilnehmerinnen ein unscheinbares Päckchen: Lakritze.
Ich zögerte – und griff schließlich zu. Und siehe da: Schon nach dem ersten Stück spürte ich eine wohltuende Entspannung in meinem Hals. Meine Stimmmuskulatur fühlte sich erholt an. Seither weiß ich: Lakritze ist ein echter Stimmschmeichler.
Warum liebt die Stimme Lakritze?
Glycyrrhizin – der geheime Wirkstoff für deine Stimme
Lakritze enthält Glycyrrhizin, eine Substanz mit bemerkenswerten Eigenschaften:
- Entzündungshemmend
- Antibakteriell und antimykotisch
- Antiviral (nachgewiesen z. B. gegen Hepatitis C und Coronaviren)
All diese Effekte wirken direkt auf unsere Schleimhäute und somit auch auf unsere Stimme: reizlindernd, beruhigend und regenerierend.
Die Wissenschaft hinter der Wirkung
Studien zeigen, dass Glycyrrhizin immunstärkende und antivirale Eigenschaften hat. Kein Wunder also, dass Lakritze traditionell in der Pflanzenheilkunde bei Husten, Heiserkeit und Halsschmerzen eingesetzt wird.
Wie kannst du Lakritze stimmfreundlich nutzen?
1. Wenig, aber regelmäßig
Ein kleines Stück Lakritze vor oder nach einer längeren Sprech- oder Singeinheit kann helfen, die Stimme zu beruhigen. Ideal bei Präsentationen, Unterricht oder Gesangstrainings.
2. Als Stimm-Pause
Gönn deiner Stimme zwischendurch ein süß-herbes Stück Lakritze. Kombiniert mit einer Tasse lauwarmem Wasser verstärkt sich der Effekt.
3. Achte auf Qualität
Wähle hochwertige, naturbelassene Lakritze ohne künstliche Zusatzstoffe. Je reiner, desto besser für deine Stimme.
Gibt es Risiken bei Lakritze?
Ja – wie bei vielen natürlichen Mitteln gilt auch hier: Die Dosis macht das Gift. Bei übermäßigem Verzehr kann Glycyrrhizin zu Bluthochdruck, Wassereinlagerungen und anderen Nebenwirkungen führen. Deshalb:
- Nicht in großen Mengen konsumieren
- Bei bekannten Vorerkrankungen Rücksprache mit Ärzt:innen halten
- Auf den eigenen Körper hören
Fazit: Ein Stück Lakritze – und die Stimme sagt danke
Was zunächst wie ein kulinarisches Experiment klang, wurde für mich zur stimmlichen Entdeckung. Lakritze schmeichelt der Stimme, entspannt die Muskulatur und wirkt wohltuend auf Hals und Rachen. Natürlich in Maßen – aber mit spürbarer Wirkung.
🎤 Tipp für alle Sprecher:innen und Sänger:innen:
Nimm dir deine „Stimm-Lakritze“ in jede Probe oder jedes Seminar mit. Und sag beim nächsten Halskratzen einfach: „Gegen Kratzen im Hals kredenze ich Lakritze mit Glycyrrhizin!“
stimme.at-Autorin: Sanne Stria
Foto: Nat Aggiato auf Pixabay